Jedes Kind hat eine Chance verdient

Slumprojekt Cheeta Camp

Cheeta Camp ist – nach dem u.a. durch „Slumdog Millionäire“ weltweit „berühmt“ gewordenen Dharavi – das zweitgrößte Slum Mumbais und eines der größten in Asien. Gelegen am nordöstlichen Stadtrand von Mumbai wächst Cheeta Camp unaufhörlich immer weiter in Richtung der Mangroven -Sümpfe. Hier leben gut 200.000 Menschen unter schwierigsten Bedingungen. Hunger, Armut und Krankheit einerseits, Alkoholismus und Gewalt (vor allem gegen Frauen) andererseits sind zwei Seiten derselben Medaille. Fließendes Wasser gibt es in den legalen Teilen des Slum nur für 2 Stunden am Tag. Dort, wo nur illegal errichtete Blechhütten als Behausung dienen – also in etwa 60 % –, fehlt es ganz. Wenn überhaupt gibt es nur unzureichende Sanitäreinrichtungen. Die Kanalisation fließt offen zwischen den eng aneinander stehenden Häusern. So breiten sich Aids und Infektionskrankheiten schnell aus; das alles bei völliger Unterversorgung mit medizinischer Hilfe.

Eines der Hauptprobleme Viele Kinder aus Cheeta Camp gehen zwar einige Jahre lang zur Schule. Aber der Unterricht in den staatlichen Schulen verdient oft seinen Namen nicht, die Gebühren für die privaten Schulen können die allermeisten nicht aufbringen und Schulen der NGO´s – wie Jeevandhara – gibt es nur wenige, weil sie keine staatliche Unterstützung erhalten. Nur wenige Schüler machen einen Abschluss, in Cheeta Camp brechen 70 % die Schule ab. Mangelhafte Bildung und Ausbildung sind die größten Probleme in diesem Slum der indischen Megacity Mumbai. Offiziell ist es in Indien zwar verboten, Kinder unter 14 Jahren in Fabriken oder unter gefährlichen Bedingungen arbeiten zu lassen, dennoch ist dies Alltag. Um das Gesetz zu umgehen, werden gerade Mädchen häufig offiziell als "Haushaltshilfen" beschäftigt. Was die Kinder mit ihrer Arbeit verdienen, ist oft notwendige Ergänzung für das Überleben ihrer Familie. Manche Arbeitgeber reden den Eltern ein, ihre Kinder könnten fern von daheim mehr lernen und würden besser leben. Am Ende einer langjährigen Arbeitsverpflichtung, bei der von Ausbildung keine Rede mehr ist, haben die Kinder aber meist keine Chance mehr auf einen Schulabschluss.

Im März 2008 haben wir Gene da Silva (47) kennengelernt. Er ist eigentlich so etwas wie ein Sozialarbeiter im Slum von Dharavi, aber seine Arbeit ist kein Job, sondern eine Passion, die er unentgeltlich 24 Stunden am Tag verrichtet. Er ist die einzige Hoffnung für hunderte von Familien in Cheeta Camp, für die er jede nur mögliche Unterstützung organisiert. Dies sind u.a. Kurse, die den Ausbildungsstand der Menschen auf verschiedensten Ebenen erhöhen sollen und damit eine Möglichkeit zur eigenen Verbesserung der Lebensbedingungen darstellen. Erwachsene erhalten Aufklärung in Hygiene, Lebensbewältigung, Möglichkeiten zur Selbständigkeit als regelmäßiges Familieneinkommen und Hilfe bei Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Zu seinem Slum – Projekt Jeevandhara, das er vor 1998 gegründet hat und heute gemeinsam mit seiner Frau Shuba (43) gehören auch Selbsthilfegruppen, die sog. "microcredits" vergibt.

Computerkurse, Lehrgänge zum Erwerb handwerklicher Fähigkeiten oder zur Vorbereitung auf eine selbstständige Tätigkeit und Rehabilitationsgruppen für Alkohol- und Drogenkranke gehören u.a. zum Programm von Jeevandhara. Gene da Silva ist selbst unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen und mit den Menschen vollkommen verbunden. Er kennt ihre Realität besser als jeder andere und weiß, wo welche Hilfen Großes bewirken können. Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge, wie ein gemeinsamer Gang zu einer Behörde oder ein Arztbesuch.

Der Schwerpunkt der Arbeit von Jeevandhara liegt in der Förderung der Kinder als den am meisten Benachteiligten Bewohnern in Cheeta Camp. Gene da Silva hat seit über 10 Jahren bereits für Tausende von Kindern und Jugendlichen ergänzenden Schulunterricht organisiert. Engagierte Lehrer unterrichten in Gruppen von je 20 Kindern jeden Nachmittag in Ihren eigenen kleinen Hütten in Cheeta Camp. Ziel des Unterrichts ist es, den Schülerinnen und Schülern begleitend zum öffentlichen Schulunterricht, deren regelmäßiger Besuch die Vorrausetzung für die Teilnahme am Nachmittagsunterricht ist, einen nachhaltigen Lernfortschritt und damit einen erfolgreichen Schulabschluss zu ermöglichen. Ein Schulabschluss ist für Kinder, die in Cheeta Camp leben, nicht selbstverständlich, obwohl theoretisch jedes Kind eine Schule besuchen kann. Tatsächlich sind aber immer noch mehr als 50 % der Kinder Analphabeten auch wenn sie mehrere Jahre eine staatliche Schule besucht haben. Zu einem Schulabschluss kommt es nur sehr selten, stattdessen werden die Kinder sehr früh zum Broterwerb mit herangezogen.

Seit März 2008 setzt sich chance for children für die Förderung von 360 dieser Kinder ein, d.h. wir finanzieren ihren Schul- und Sportunterricht und fördern diverse Kurse insbesondere in verschiedenen handwerklichen Disziplinen.

Für dieses Programm vermitteln wir sog. "unpersönliche Patenschaften". Das bedeutet, dass interessierte Spender einen regelmäßigen Betrag von z.B. 10 Euro monatlich für ein bestimmtes Kind leisten, aber zu diesem Kind keinen persönlichen Kontakt halten. Eine weitere Möglichkeit zur Hilfe ist ein „study class support“. Das bedeutet: mit 25 EUR monatlich bezahlen Sie einen Lehrer für den ergänzenden nachmittäglichen Unterricht einer Klasse mit 20 Schülern.

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